Tourismus in Schleswig-Holstein, Prof. Eisenstein: "Am Ende geht es auch um die Attraktivität der Arbeitsplätze und des Wohnraums"

Beim diesjährigen Tourismustag Schleswig-Holstein am 22. September in Flensburg ging es unter dem Motto "Stark durch neue Impulse" um die Lage und Zukunftschancen der Branche. Rund 250 Branchenvertreter und Impulsgeber diskutierten und informierten sich, ausgehend von der Tourismusstrategie 2030 des Landes, über Pläne, den „Echten Norden“ auch in Zukunft als attraktiven Lebens-, Urlaubs- und Arbeitsort zu gestalten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Bernd Eisenstein, Direktor des Deutschen Instituts für Tourismusforschung mit Sitz an der FH Westküste in Heide. Die Fachhochschule Westküste unterstützte die Organisation und Ausgestaltung der Branchenversammlung erneut als Partner.

Zunächst erfolgte der Blick zurück auf das erste Halbjahr 2022: Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein, zog eine positive Tourismus-Bilanz: „Das hervorragende Ergebnis zeigt, dass Urlaub im Land zwischen den Meeren bei den Gästen aus dem Inland hoch im Kurs steht." Gleichzeitig wies Ipsen darauf hin, dass der Wettbewerb der Destinationen im In- und Ausland groß sei und sich Herausforderungen wie der Fachkräftemangel, die es schon vor der Pandemie gab, weiter zuspitzten.

Wirtschafts- und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen appellierte an die Touristiker: „Ihre Branche ist die Visitenkarte für Schleswig-Holstein. Wir müssen nach vorne schauen und daran glauben, dass der Tourismus in unserem Land eine Zukunft hat." Es seien verstärkte Bemühungen notwendig, gemeinsam gegen den Fach- und Arbeitskräftemangel anzugehen.

Trotz aller Herausforderungen optimistisch äußerte sich Andreas Tedsen, Vizepräsident und Vorsitzender der Fachgruppe Tourismus im DEHOGA Schleswig-Holstein: „Auch diese Krise werden wir gemeinsam bewältigen können. Wir setzen auf den engen Schulterschluss und blicken positiv nach vorn."

Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, fasst den Handlungsbedarf zusammen: „Wir haben diskutiert, wie wir uns bei unseren Geschäftsmodellen, im Umgang mit Beschäftigten, Bevölkerung und Gästen weiterentwickeln können. Innovatives, bedarfsgerechtes und kooperatives Marketing hilft allen bei der Zukunftssicherung."

In Zeiten der Unsicherheit ist laut Dr. Catrin Homp, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein, die bestmögliche Vorbereitung essenziell: „Die Rahmenbedingungen für den Tourismus erweisen sich durch die Auswirkungen des Krieges so ungewiss wie nie. Umso wichtiger ist es, dass Schleswig-Holstein sich als hochwertige, nachhaltige Reisedestination aufstellt und sich als Lebensraum für Reisende, Bevölkerung und Mitarbeitende versteht."

Mit einer ganzheitlichen Tourismusentwicklung beschäftigt sich auch das Deutsche Institut für Tourismusforschung der FH Westküste. Direktor Prof. Dr. Bernd Eisenstein fasste zusammen: „Ja, der Schleswig-Holstein Tourismus ist nach den Coronajahren wieder auf einem guten Weg. Es stellt sich jedoch auch in unserem Bundesland weiterhin zunehmend die Frage, wie eine nachhaltige Destinationsentwicklung, die neben den ökonomischen Zielen auch soziale und ökologische Nachhaltigkeitsziele mitberücksichtigt, verwirklicht werden kann,“. Dies sei auch ein Fokus der Instituts-Forschung in Heide. Mit der Tourismusakzeptanzstudie ermittelt das Institut seit 2019 die durch die einheimische Bevölkerung wahrgenommenen Auswirkungen des Tourismus auf den eigenen Wohnort. „Tourismus wird durch Einwohner:innen als Wirtschaftsfaktor erkannt, aber weniger als Treiber der eigenen Lebensqualität.“ Somit stellen sich die zentralen Fragen, welche ökologischen, sozialen und ökonomischen Faktoren einen Einfluss auf die wahrgenommene Lebensqualität haben, welche Rolle die touristische Infrastruktur im eigenen Wohnort dabei einnimmt, und wie es im Rahmen einer integrativen Destinations- und Lebensraumentwicklung gelingen kann, diese zu berücksichtigen.  „Auch diesen Fragen widmen wir uns nun im Rahmen unseres Forschungsprojektes „Lebensqualität und Tourismus““, so Eisenstein weiter. Nicht neu, gleichwohl jedoch zunehmend relevanter sei laut Eisenstein die Maxime, dass „eine erfolgreiche Destination neben zufriedenen Gästen, die sich willkommen fühlen, vor allem auch Einheimische braucht, die sich – mit dem Tourismus vor Ort und in der Branche arbeitend – wohl fühlen.“

 

 

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